So werden sie gefahren (diktiert)

ADAC Motorwelt 5/2017 Seite 20 folgende

 

Schon in wenigen Jahren sollen selbstfahrende Autos zu kaufen sein. Was für viele wie eine Verheißung klingt, ist für andere der blanke Horror. Worauf lassen wir uns tatsächlich ein, wenn wir das Steuer aus der Hand geben?

 

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Puh, das war knapp. Fast wäre der Nissan Leaf einfach so über eine rote Ampel gerauscht. Ein schneller Tritt auf die Bremse und das Fahrzeug dann doch noch rechtzeitig zum Stehen. Das soll also die Zukunft des Autofahrens sein?

Hinter dem Lenkrad des Entwicklungsfahrzeugs sitzt Tetsuya Iijima, der bei Nissan für das autonomen Verfahren verantwortlich ist. „Möglicherweise war die Ampel durch andere Fahrzeuge verdeckt. Das System ist ja noch in der Lernphase“, versucht der Japaner die Situation zu erklären. Auch die Reaktionszeit sei noch nicht so, wie gewünscht.
Derartige Überraschungen sind für einen Entwickler Alltag, den Kunden müssen sie aber später erspart bleiben. Vor technischem Versagen oder Unausgereiftsystemen haben Autofahrer schließlich am meisten Angst, wie eine ADAC Umfrage zum automatisierten Verfahren gezeigt hat. Nur ein Drittel der Mitglieder kann sich heute vorstellen, ein selbstfahrendes Auto zu nutzen.
Bis zu dem Fauxpas mit der Ampel hatte sich der autonom fahrenden Nissan erstaunlich flüssig durch den Verkehr gekämpft, Spuren gewechselt, brav vorher gedrängt und im quirligen Kreisverkehr anderen die Vorfahrt gewährt – was den Menschen wenig fordert, ist für ein automatisierte Fahrzeug purer Stress.
Drei Jahre hat IIijimas noc noch, dass „ProPilot“ genannte System bis zur Serienreife zu entwickeln. 2020 sollen Leaf und Qashqai damit auf den Markt kommen. Ob die Autos dann wirklich schon komplexe Verkehrssituation, ist allerdings fraglich.
Vor allem der Stadtverkehr stellt eine besondere Herausforderung dar. Radar-, Laser-und Ultraschallsensoren beäugen das unübersichtliche Verkehrsgeschehen, erfassen Autos, Fahrradfahrer und merken, wenn ein Fußgänger die Straße überqueren will. In Echtzeit und ohne Zeitverzögerung müssen Entscheidungen getroffen werden.

Mit einem besseren Computer fährt das autonome Auto sicherer

Für den zentralen Rechner im Fahrzeug ist. Schließlich prasselt auf ihn eine gewaltige Datenflut ein. „Wir müssen eine gute Ballons zwischen Datengröße und notwendiger Genauigkeit finden“, erläutert Nissan-Entwickler Tetsuya IIjima.
Dazu braucht es einen Supercomputer. Zulieferer Bosch will zusammen mit der Hard- und Softwarefirma NVIDIA einen solchen Hochleistungsrechner anbieten. „Xavier“, so sein Name, kann 20 Billionen Rechenschritte pro Sekunde ausführen und setzt mit neuronalen Netzwerken auf künstliche Intelligenz. Das beschleunigt „das Denkvermögen“ enorm. Schnelle Entscheidungen treffen zu können, werden die Daten gleichzeitig statt nacheinander verarbeitet. Xavier soll Fahrsituationen interpretieren können und stetig dazu lernen.
Bereits im Vorfeld wird dem Rechner eingetrichtert, wie ein Zebrastreifen aussieht, was ein Bus ist und dass man nicht über Verkehrsinseln fahren darf. Via Datenverbindung lässt sich dann bei Bedarf der Rechner mit den Erfahrungen anderer Autos aktualisieren. Extrem wichtig sind auch hochgenaue Straßenkarten für automatisierte Fahrzeuge, um sich orientieren zu können. Doch die sind noch nicht flächendeckend verfügbar.
Wird das Computer Auto also doch länger brauchen, als die Industrie suggeriert? Es kommt darauf an, was man darunter versteht. Wer an den Insassen als reinen, vielleicht sogar führerscheinlosen Passagier denkt, der im Auto schlafen kann und vollautomatisch zum Ziel gebracht wird, muss wohl bis zum Jahre 2030 wach. Erst dann spricht man vom „autonomen Fahrzeug“, für Fachleute ist ab da Level 5 erreicht.
Ab dem Jahre 2020 sollen Level-drei-Fahrzeuge zu kaufen sein. Diese werden zunächst das Fahren auf der Autobahn mit Spurwechseln und Überholvorgängen beherrschen, dem Fahrer rechtzeitig vor der Ausfahrt das Steuer wieder übergeben. Mit Level 4 (voll automatisiert) dürfte dann auch Fahrten in der Stadt zu machen sein.

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