Währung in der Krise: Der Euro – funktioniert doch – SPIEGEL ONLINE – Nachrichten – Wirtschaft

 der Praxis ist von dem Unterschied zwischen uns Göttlichen und den anderen so endlos viel nicht zu erkennen. Vergangenes Jahr lag die Inflation in Spanien, Italien, Frankreich, Griechenland und Irland niedriger als in Deutschland.

Und beim Haushalten stehen die Euroländer trotz Krise immer noch besser da als andere. Selbst die Griechen haben heute deutlich weniger Staatsdefizit als Amerikaner und Briten. Die Italiener fahren vor Zinsen seit Jahren Überschüsse im Etat ein. Vor dem Crash hatten Spanier und Iren jahrelang sogar Überschüsse. Und auch in Frankreich gibt es seit Ewigkeiten keine Anzeichen mehr für höheren Inflations- und Lohndruck, geschweige denn exzessive Staatsausgabenzuwächse.

Die Wahrheit ist: Es gibt kaum ein (Krisen-)Land in der Eurozone, in dem relativ gesehen so wenig Sparpolitik praktiziert wurde wie in Deutschland, selbst zu Schröder-Zeiten nicht – und erst recht nicht unter Merkel. Was das angeht, ist unser Finanzminister vor allem Lehrmeister für andere. Als hier reformiert wurde, gab es irgendwann Montagsdemos, und der Kanzler wurde vom Feld gejagt. So viel zum deutschen Askese-Vorbild.

Die Krisen lagen an Dingen, die relativ wenig mit dem Euro zu tun haben

Wenn die Eurozone ins Kriseln kam, dann lag das weder an Hochinflation noch an Hochzinsen, mangelnder deutscher Wettbewerbsfähigkeit, zu wenig Stabilitätskultur oder politisch abhängigen Notenbankern. Und auch nicht daran, dass die Staatshaushaltsregeln per se nicht eingehalten wurden – vor Ausbruch der Finanzkrise lagen die Quoten so niedrig wie lange nicht. Heute sind sie im Schnitt auch niedriger als in den USA, Großbritannien und Japan.

Es lag stattdessen an Dingen, mit denen die Auguren weder 1992 noch 1998 rechneten – und die zu einem gewichtigen Teil relativ wenig mit dem Euro an sich zu tun haben: von Immobiliencrashs, die es auch bei Amerikanern, Briten und Isländern gab, über deutsche Exportexzesse, die es mittlerweile vor allem gegenüber Nichteurogebieten wie den USA gibt (weshalb es ja jetzt auch Schimpfe vom Weltökonom Trump gibt), bis hin zu einer Jahrhundertbankenkrise, auf die deutsch-europäische Notenbanker verglichen zu den Kollegen international viel zu zögerlich reagiert haben. Da musste erst Draghi kommen.

Menschliches Versagen. Kann passieren. Aber auch kein inhärenter Eurofehler, eher Fehleinschätzung hiesiger Stabilitätswächter. Das ließe sich beheben. Ohne den Euro aufzuheben.

Fortsetzung folgt.

http://m.spiegel.de/wirtschaft/a-1133906.html

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